#1

Zechen

in Wissenswertes 11.05.2020 14:49
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

Ende 2018 ging eine große Ära zu Ende: Die letzte Zeche im Ruhrgebiet wurde geschlossen.
Es handelte sich dabei um "Prosper Haniel" in Bottrop.
Wisst ihr eigentlich, wo diese Zeche war?
Sie befand sich Luftlinie nur ca. 800 m von Bauer Steinmann entfernt, da wo Lisbeth die
"lecker Mettwürstkes" gekauft hat.


Eines Tages kracht et und dann war de Marmelade für de Katz!
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#2

RE: Zechen

in Wissenswertes 12.05.2020 08:11
von ullemulle | 1.307 Beiträge | 1492 Punkte

Den Namen habe ich schon sehr oft gelesen und gehört. Der Onkel von Sascha hat damals in einem Bergwerk gearbeitet, seine Frau lebt heute in Münster und sie erzählt noch oft von früher. Mittlerweile ist sie 90, aber ich höre ihr immer gerne zu. Er war in einem Bergwerk Nähe Dortmund, glaube ich.
Die Schließung kam doch auch im WDR, aktuelle Stunde, ich meine mich zu erinnern. Weinende Männer sieht man ja nicht sehr oft, es ging mir sehr nahe...
Hab da mal was gefunden.....


lass mich doch in Ruh mit deinem dösigen Zettel...


zuletzt bearbeitet 12.05.2020 08:26 | nach oben springen

#3

RE: Zechen

in Wissenswertes 16.07.2020 20:48
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

Ich habe eine ganz tolle Webseite gefunden, auf der es jede Menge gute Fotos
von ganz vielen Zechen im Ruhrgebiet gibt. Sogar Bilder von Produktionsstätten
anderer Branchen wie Stahlwerke, Textil, Transport, etc. sind dort zu finden.
Klick euch einfach mal durch ... ist super interessant.
Als Startseite im Link habe ich natürlich "Unser Fritz" ausgewählt ... iss klar nä?

https://www.fotogalerie-thomas.de/index....-in-herne-wanne


Eines Tages kracht et und dann war de Marmelade für de Katz!
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#4

RE: Zechen

in Wissenswertes 18.07.2020 08:58
von ullemulle | 1.307 Beiträge | 1492 Punkte

Oh gestern konnte ich noch gucken, jetzt hat er leider Wartungsarbeiten.... probier ich es morgen nochmal. Danke schön! Ach der Ruhrpott is schon wat janz besonderet:-)


lass mich doch in Ruh mit deinem dösigen Zettel...


zuletzt bearbeitet 18.07.2020 08:58 | nach oben springen

#5

RE: Zechen

in Wissenswertes 22.11.2020 00:22
von Gregor | 270 Beiträge | 431 Punkte

Was für eine schöne Site.
Mir wird ganz anders, wenn ich mich da durchklicke. All diese Bilder, und alles stillgelegt und kaputt. Für die Menschen im Ruhrgebiet ist es sicher ein Plus an Wohnqualität, dass nichts mehr produziert wird und die Luft sauber ist. Ich gehe davon aus, dass jetzt kein 28.000 Tonnen Kohlenstaub im Jahr mehr runterkommen. Trotzdem hat es für mich immer etwas Wehmütiges.
Ich bin Jahrgang 1975 und ärgere mich ein wenig, so spät auf das Ruhrgebiet aufmerksam geworden zu sein. Ich hätte ja die Möglichkeit gehabt, in den 90er Jahren noch etwas mehr vom aktiven Ruhrgebiet zu erleben. In den 90er Jahren hatte ich allerdings noch keine Digitalkamera, das ist wirklich der einzge Nachteil.
2018 bin ich extra noch zur Zeche Prosper Haniel gefahren und hatte auch Glück, das sich drehende Rad am Förderturm sehen zu können. Ob es den in ein paar Jahren noch gibt?
Als ich zuletzt da war, war die Zeche mehr oder weniger verlassen und eingezäunt.
Es wäre bestimmt auch interessant gewesen, mal einen Stahlabstich zu sehen. Tja, alles vorbei.


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#6

RE: Zechen

in Wissenswertes 22.11.2020 17:59
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

An den Zechen hat es sicherlich nicht gelegen, dass pro Jahr damals 28.000 t
Kohlenstaub herunter kamen. Hauptabnehmer der Kohle waren die vielen Hüttenwerke.
Und die waren dann auch in der Hauptsache für die "dicke Luft" im Revier verantwortlich.
Die Zechen selbst waren keine großen Luftverschmutzer, aber der Grund für eine ganz
andere Belastung: Durch die andauernden Bergsenkungen wurden unzählige Häuser
und Straßen beschädigt, Wälder sind abgestorben, weil plötzlich der Grundwasserspiegel
ein paar Meter tiefer lag, bis hin zu ganzen Landstrichen, die sich verändert haben. Wo
gerade noch Feld und Wiese war, ist ein Jahr später plötzlich ein See entstanden. Ich konnte
das ab Mitte der 80er Jahre im Bereich "Schwarze Heide" (in der Nähe von Bauer Steinmann)
sehr gut beobachten, da ich dort jeden Tag von Hünxe nach Gelsenkirchen zur FH gefahren bin.
Ein ganzer Bauernhof musste abgerissen werden, weil der Boden sich mehr als 2 m gesenkt
hatte. Auch kann ich mich sehr gut an die unzähligen kleinen Erdbeben erinnern, die hier und im
ganzen Ruhrgebiet, hervorgerufen durch Bergsenkungen, an der Tagesordnung waren.
Aber trotz allem blickt hier fast jeder (auch ich natürlich) mit Wehmut an die Zeit der Zechen zurück.
Zum Glück hatte ich 1996 einmal die Gelegenheit, eine XXL Besichtigung auf der Zeche Lohberg
machen zu dürfen. XXL heißt, nicht die normale Besuchertour, sondern wir waren direkt vor Ort
an der Schremm-Maschine im damals abgebauten Flöz. Das war ein unvergessliches Erlebnis.
Zunächst sind wir mit dem Förderkorb vom großen Förderturm auf 800 m eingefahren. Danach ging
es zu Fuß ca. 200 m weiter bis zum nächsten Förderkorb, der uns dann auf ca. 1.200 m runter gebracht
hat. Dort angekommen war es ca. 30° warm und man hat sofort angefangen zu schwitzen. Per Zug ging
es dann ca. 4 km weiter bis zum Abbau Bereich. Man kann sich garnicht vorstellen, was das für eine
Arbeitsumgebung gewesen ist. Durch den ständigen Wasser-Sprühnebel zur Eindämmung des Kohlenstaubes
war die Luftfeuchtigkeit so hoch wie in den Tropen. Man kann das mit Worten überhaubt nicht beschreiben.
Ich möchte nicht wissen, wie es vor 100 Jahren war, dort zu arbeiten. Kein Wunder, dass die Bergleute damals
oft kein hohes Lebensalter erreicht haben.

Übrigens: Einen Roheisenabstich könntest Du immer noch live im Ruhrgebiet erleben ... noch gibt es einige Hochöfen.
Aber wenn ich mir die aktuellen Nachrichten über TKS zu Gemüte führe, dann frage ich mich: Für wie lange noch?


Eines Tages kracht et und dann war de Marmelade für de Katz!


zuletzt bearbeitet 22.11.2020 18:08 | nach oben springen

#7

RE: Zechen

in Wissenswertes 23.11.2020 00:26
von Gregor | 270 Beiträge | 431 Punkte

Ich kann mich daran erinnern, dass (es muss Mitte bis Ende der 90er Jahre gewesen sein) in Bochum mal ein ganzes Haus eingestürzt ist. Das stand damals groß in den Zeitungen. Da es das Internet damals noch nicht so gab, findet man aber heute kaum noch etwas darüber. Hat es nicht auch einmal einen Bus gegeben, der plötzlich in der Straße verschwunden ist?
Ich selbst bin nie untertage gewesen. Ich habe jemanden in der Familie, der lange Jahre Fördergurte verkauft hat und oft in Bergwerken war. 1962, als er angefangen hat, gab es in Deutschland noch 160 Bergwerke. Jetzt gibt es kein einziges mehr. Kein einziges. Das ist doch traurig.
Der Abbau der Kohle in Deutschland war sehr teuer. Zum einen waren die Sicherheitsstandards sehr hoch (es gibt anscheinend Länder, da ist die Chance 50:50, aus einem Bergwerk lebend wieder herauszukommen), zum anderen liegt die Kohle in Deutschland sehr tief unter der Erde. In anderen Ländern muss man da nicht so tief graben.
Deine Schilderung ist äußerst interessant. Ich möchte dort unten nicht arbeiten, und dennoch scheint es ja viele Kumpels gegeben zu haben, die gerne gerarbeitet haben und stolz waren. Mittlerweile ist die Kohle ja auch verteufelt und soll am besten gar nicht mehr zur Energiergewinnung genutzt werden.

Es gibt noch Hochöfen? Kannst Du mal sehen, das wusste ich gar nicht. Und da leuchtet abends der Himmel, wenn so ein Roheisenabstich gemacht wird? Das würde ich in der Tat gerne mal sehen.

Der Sänger Bernd Göke, der in Folge 3 zu sehen ist, beschreibt das Ruhrgebiet in seinen Lied "Zwischen Blümkes und Kohle" sehr schön, wie ich finde.
https://www.youtube.com/watch?v=zyfJSkLJ_Zo

Ich habe mir die ganze Langspielplatte gekauft, nachdem ich das erste Mal die DVD Tour de Ruhr angesehen habe.

Was ist TKS? Ich habe dazu nichts Eindeutiges gefunden.

Die Hochöfen sind für mich übrigens ein Wunder der Technik. Diese Hochöfen sind ja nun schon viele Jahre alt, es gibt so viele Leitungen und Rohre daran, dass ich mich frage, wer da durchblickt, wer das wohl alles entwickelt hat. Das muss doch auch alles gewartet werden. Das ist schon Wahnsinn.



zuletzt bearbeitet 23.11.2020 00:30 | nach oben springen

#8

RE: Zechen

in Wissenswertes 23.11.2020 09:37
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

Ja klar gibt es noch Hochöfen ... in Duisburg z.B. bei TKS (Thyssen-Krupp-Steel).
Die Hochöfen im Landschaftspark wurden seinerzeit zwar stillgelegt, weil a) der Stand der Technik
auf Grund von Umweltauflagen nicht mehr gegeben war ... und b) die Kapazitäten wegen der weltweiten
Überproduktion angepasst werden mussten.
Dafür wurden aber ein paar km weiter 2 neue gebaut (Schwelgern 1 und 2), die noch heute in Betrieb sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/ThyssenKru...werk_Schwelgern

Und wenn man Abends über die A59 fährt, kann man in der Ferne oftmals den in hellem orange leuchtenden
Nachthimmel erleben. Das hat schon was ...
Übrigens gibt es neben den Aussichtspunkten innerhalb des Industriegebietes auf rechtsrheinischer Seite
(Alsumer Berg, Kokerei und Stahlwerk ... auch auf Maps zu finden) einen wunderschönen Aussichtspunkt mitten
in der Natur, auch wenn das jetzt vielleicht völlig unglaublich klingt. Dazu muss man auf die linke Rheinseite wechseln.
Anmerkung: Mit dem Fahrrad (Auto geht auch) kann man dazu die gemütliche, kleine Rheinfähre zwischen Du-Walsum
und Orsoy nutzen. Von Orsoy fährt man Richtung Binsheim und dort in Höhe der scharfen Rechtskurve geradeaus weiter
auf der Woltershofer Straße zwischen Feldern, Wiesen und Kühen direkt bis zum Rhein, wo es dann nicht mehr weiter geht.
Dort befindet man sich direkt gegenüber dem riesigen TKS Industrie Areal und erhält einen wundebaren Eindruck von der
enormen Größe. Mit etwas Glück erlebt man dann vielleicht auch mal einen Abstich.

Hochofen.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Anmerkung: Neben Duisburg - dem größten - gibt es noch viele weitere aktive Hochöfen in Deutschland:
Arcellor Mittal, HKM, Salzgitter, Georgsmarienhütte (...) um nur die nächst größeren zu nennen.


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#9

RE: Zechen

in Wissenswertes 23.11.2020 11:55
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

Blick von Binsheim (linke Rheinseite an der "Nato-Rampe") auf Thyssen-Krupp-Steel.
Sehr schön sieht man rechts und links die beiden Hochöfen.

Binsheim.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


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#10

RE: Zechen

in Wissenswertes 23.11.2020 20:26
von Gregor | 270 Beiträge | 431 Punkte

Das Bild sieht toll aus. Ich glaube, da will ich mal hin. Ich frage mich, ob ich da schon einmal langgefahren bin.


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#11

RE: Zechen

in Wissenswertes 24.11.2020 20:39
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

Du meinst, ob Du an dieser Stelle schon vorbeigefahren bist?
Das ist aber wie gesagt auf der linken Rheinseite.
Von der "Nato-Rampe" in Binsheim kann man mit dem Rad unmittelbar am Rhein entlang
auf einem Leinpfad bis zur Oscar Huber fahren. Lediglich die letzten ca. 1,5 km führen an
einer Hauptstraße entlang, aber der Rest ist wunderschön zu fahren.
Hier die Route:

Natorampe.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


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zuletzt bearbeitet 24.11.2020 20:40 | nach oben springen

#12

RE: Zechen

in Wissenswertes 24.11.2020 22:48
von Gregor | 270 Beiträge | 431 Punkte

Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich meinte nicht die Aussichtsplattform, sondern das Thyssenwerk.
Ich fahre auf meiner Tour von Duisburg nach Voerde am Rhein entlang. Da kommt man an einem großen Werk vorbei, das meinte ich.


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#13

RE: Zechen

in Wissenswertes 25.11.2020 19:21
von duplo99 | 304 Beiträge | 469 Punkte

Wenn Du von der Oscar Huber kommend über die Deichstraße auf der rechten
Rheinseite flussabwärts Richtung Dinslaken / Voerde fährst, kommst Du zwangläufig
an TKS vorbei. Das ist dann quasi der gleiche Bereich wie auf meiner Karte, nur auf der
anderen Rheinseite. Wenn Du so gefahren bist, musst Du ja auch an der Fähre in Du-Walsum
vorbeigekommen sein, mit der man nach Orsoy übersetzen kann.


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